Private Hausverlosung

Februar 2, 2009 · Artikel drucken

Wie kann man – ohne ein Darlehen aufnehmen zu müssen – ein eigenes Haus besitzen? Man nimmt an einer Hausverlosung teil.

Verursacht durch die derzeitige Wirtschafts- und Immobilienkrise sehen sich immer mehr Haus- und Immobilienbesitzer gezwungen ihr Eigentum zu verlosen. Die private Hausverlosung eröffnet eine kreative Möglichkeit den angemessenen Preis für eine Immobilie zu erzielen. Meist kann über herkömmliche Wege, wie zum Beispiel die Beauftragung eines Immobilienmaklers, das Objekt nicht verkauft werden. Deshalb werden hauptsächlich hochpreisige Luxusimmobilien verlost, denn dafür hat sich der Käuferkreis dramatisch reduziert.

Hausverlosungen in Europa

Dieses Phänomen ist in ganz Europa zu beobachten. Angefangen in England, das von dem starken Preisverfall bei Immobilien besonders hart betroffen ist. In Österreich wurde eine Traumvilla in Kärnten für 99,00 Euro verlost, danach brach ein regelrechter Boom in Österreich aus. Die dort ansässigen Immobilienmakler fürchten um ihre Existenz, sollte das Interesse der Öffentlichkeit an Hausverlosungen so bleiben. Zwar gibt es in Österreich auch ein staatliches Lotteriemonopol, doch die Behörden dort tolerieren Hausverlosungen, wenn sie nicht gewerblich betrieben werden und nur der einmaligen Veräußerung eines Eigenheimes dienen.

Hausverlosung in Deutschland

In Deutschland hingegen soll das staatliche Lottomonopol nicht angetastet werden. Ein findiger Herr aus München ließ sich von den Hausverlosungen aus England und Österreich inspirieren. Erfolglos versuchte er sein Haus im Raum München mit dem heutigen Marktwert von circa 600.000,00 Euro über ein Jahr lang zu verkaufen. Sein Resümee: „Wegen der Finanzkrise sind solche Objekte zur Zeit nur mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen.“ Um dennoch einen akzeptablen Marktwert für seine Immobilie zu erzielen, engagierte er einen Rechtsanwalt und veranstaltete die erste Hausverlosung in Deutschland. Doch so einfach ist eine private Hausverlosung in Deutschland nicht zu organisieren. Von der bayerischen Finanzbehörde, wurde ihm ein reines Gewinnspiel um sein Haus, untersagt. Daraufhin und unter Berücksichtigung der Vorgaben, tüftelte er die Idee des Gewinnspiels aus, das so funktionieren soll:

Eckpunkte zur Hausverlosung in München

  • Die Zahl der Mitspieler ist auf 48.000 limitiert.
  • Jeder Mitspieler bezahlt eine Teilnahmegebühr von 19,00 Euro.
  • Um in die Endausscheidung zu kommen müssen wie in TV-Quizsendungen Fragen zum Allgemeinwissen richtig beantwortet werden.
  • Es können neben dem Haus noch 99 weitere Preise gewonnen werden, darunter auch ein Auto.
  • Die Entscheidung fällt am 15. März 2009 unter notarieller Aufsicht. Es werden unter den letzten 100 Personen, von denen die Fragen richtig beantwortet wurden, die Preise verlost.
  • Genaue Teilnahmebedingungen sind im Internet nach zu lesen.

Das Bayerische Finanzministerium war mit der Hausverlosung einverstanden, nachdem zugesichert wurde, dass nicht allein das Glück für den Loserfolg entscheiden soll.

Für den Veranstalter ist die erste Hausverlosung in Deutschland ein großes Risiko. Kosten für den Rechtsanwalt, den Notar, den Steuerberater, die übrigen 99 Preise zum Haus sowie die Grunderwerbssteuer und sonstige noch unkalkulierbare Kosten, müssen aus dem Verkauf der 48.000 Lose, finanziert werden. Ein erhebliches Risiko, falls nur ein Teil der Lose verkauft werden kann. Auch durch sonstige unvorhergesehene Vorfälle, die noch bis zum 15. März eintreten können, geht ein nicht abschätzbares Risiko aus. Der Veranstalter hofft, dass ihm am Ende etwa der Marktwert des Hauses bleibt.

Derzeitige Probleme der Hausverlosung

Ein Teil der unvorhergesehenen Vorfälle bei dieser Hausverlosung scheint schon eingetreten zu sein, denn die bayerische Glückspielaufsicht in Mittelfranken hat am 27.01.2009 mit einem Schreiben an den Veranstalter die Aktion untersagt. Mit der Begründung: „Eine derartige Hausverlosung verstoße in mehreren Punkten gegen das geltende Glückspielrecht. Sollte die Hausverlosung bis 16.00 Uhr nicht eingestellt sein, so drohe beträchtliches Zwangsgeld“. Derzeit ist im Internet die Hausverlosung bis auf weiteres eingestellt. Die Rechtsanwältin des Veranstalters hat zu den Vorwürfen öffentlich Stellung genommen, man kann Details im Internet nachlesen. Nachzulesen ist auch, wie man sich verhalten soll, wenn man schon im Besitz eines Loses ist.

Somit ist abzuwarten, wie sich diese interessante Hausverlosung in Deutschland noch entwickeln wird und welche Auswirkungen dies auf den Finanzmarkt haben kann..